Yin Song (Lesung)
Vita

Foto © Räse Die Installationen und Environments Qin Yufens entfalten ihre poetische Kraft und originäre Sinnlichkeit aus der Verbindung ihrer asiatischen Wurzeln mit einer Formensprache, die von der westlichen Kunst und den Erfahrungen der Künstlerin in ihrer chinesischen Heimat wie im Westen geprägt ist.
Foto © Räse Angeregt durch die Hörsaalruine der Charité, mit ihrer beredten Raumstruktur und ihrem morbiden Charme, hat Qin Yufen die Klanginstallation "Yin Song (Lesung)" konzipiert, die die Eigenwilligkeit und Besonderheit dieses Ortes aufgreift. Zwölf weiße Seidenkörper – jeder von ihnen mißt eine Höhe von neun Metern – schaffen eine Verbindung von Boden und Decke des Raums, von Erde und Himmel, von Diesseits und Jenseits; gleich Reflektoren spiegelt jeder dieser Körper die Geschichte und Geschichten der Ruine.
Foto © Räse In das Dasein und das Eigenleben des Ortes pflanzt Qin Yufen den Klangteppich eines Gedichts aus der Tang-Dynastie ein, das vom Ursprung der Dinge und dem Wesen der Freiheit erzählt, vom Scheitern und vom Prinzip der Hoffnung, das den Suchenden auf seinen Wegen begleitet. Die "Lesung" des über tausend Jahre alten Gedichtes verschmilzt – durch die Bearbeitung am Computer und die Verfremdung – mit dem Raum wie der Schnee mit dem Wanderer auf dem "Tai Hang", von dem der Lyriker Li Bai erzählt; der unüberwindbar scheinende "Eiserne Berg" durchdringt die Mauern der Ruine, und durch ihre Fenster leuchtet das Bild des "Huang He", des "Gelben Flusses", auf dem uns Wolkensegel zum Meer, zur Hoffnung, zur inneren Freiheit tragen.
Fotos: Thomas Räse

Michaela Nolte

"Yin Song (Lesung)" eröffnete vom 12. bis 26. August 1998 die neue Ausstellungsreihe "Vier Jahreszeiten" im Universitätsklinikum Charité Berlin. Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit:
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