Zur Person
   
Inge Mahn 1943 geboren in Teschen/Oberschlesien
1964–71 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf; Meisterschülerin bei Joseph Beuys
1980–81 PS-1-Stipendium, New York
1981–82 Arbeitsstipendium Kunstfonds Bonn
  1981–83 Lehrauftrag an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf
  1983 Indo-German-Cultural Exchange, Casauli Art Camp, Indien
  1984–85 Gastprofessur an der Abteilung Kunsterziehung Münster der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf
  1985 Arbeitsaufenthalt Künstlerhaus Bethanien, Berlin
  1986–88 Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig
  1987–93 Professur für Bildhauerei an der Akademie der Künste, Stuttgart
  1993–2009 Professur für Bildhauerei an der Kunsthochschule Weißensee, Berlin
  2012 Gründung des Stallmuseums in Groß Fredenwalde
  Inge Mahn lebt und arbeitet in Berlin und Groß Fredenwalde.
 
Haus mit Möbeln; Staatl. Kunstakademie Düsseldorf (1969)Haus mit Möbeln; Staatl. Kunstakademie Düsseldorf (1969) "Anfangs habe ich Figuren geformt, dann die Figuren in bezug zu Möbeln gesetzt, später die Figuren weggelassen. Es blieben Möbel oder Gegenstände: Plastiken, früher für Figuren, wurden Plastiken für den Betrachter. Das war 1967. Ich habe ein Gipshaus mit Gipsmöbeln gebaut und das Haus auch benutzt. Es war so bemessen, daß man darin stehen konnte, sich an einen Tisch setzen und auf einer Liege liegen konnte. Ich wollte eine Ecke haben, die ganz für mich ist. Das Haus wurde eine Plastik und ich zur Figur.

In Museen ging es mir in der Zeit so wie manchen Museumsbesuchern, ich umkreiste Plastiken und suchte den Eingang und fand keinen Zugang.

  Jemand sagte einmal, meine Plastiken hätten etwas mit dem Aktionsraum des Menschen zu tun. Das ist sicher richtig. Die Gegenstände, in den Raum gestellt, funktionieren immer im Bezug zum Raum, untereinander und im Bezug zum Betrachter. So gesehen ist die plastische Situation nie nur Bild, dem der Betrachter gegenübersteht wie einem Tier im Zoo, durch Distanz oder Gitter getrennt.
Haus mit Möbeln; Staatl. Kunstakademie Düsseldorf (1969)Haus mit Möbeln; Staatl. Kunstakademie Düsseldorf (1969) Die Plastik soll erlebbar sein. Es ist sehr wichtig, daß die mögliche Benutzbarkeit nicht ausgeschlossen wird, obwohl die Gegenstände nicht zum Benutzen gedacht sind. Sie sind aus Gips und so nicht sehr einladend, wirken kalt, starr und modellhaft. Sie sind aber nie Abgüsse bestehender Formen, sondern immer Umformungen, Ergebnisse, Summen erlebter Objekte.

Zum Teil gehen sie auf elementare Zusammenhänge zurück ("Gipshaus", "Drei Hüte mit drei Liegen"), zum Teil geben sie Situationen wieder ("Schulklasse", "Sitze auf Stufen") oder aber sie widersprechen dem ursprünglichen Zweck wie die schwebende Badewanne, die, aus Styropor, zu leicht ist, zu weich und auf Füßen stehend tierisch wird.

Anstand; Installation Schloß Wiepersdorf (1996) Gegenstände und Figuren waren in der Geschichte der Skulptur schon immer austauschbar. Die Figuren, die ich von den Möbeln weggelassen habe, fehlen nicht. Die Möbel werden, unabhängig vom Betrachter, selbst Akteure: Stuhl ist auch sitzende Figur, Haus ist auch Körper. Als Möbel im Raum sind Plastiken für den Betrachter selbstverständlich, – und selbstverständlich sollte jede Plastik sein."
 
 
© diálogo, Berlin, Autoren und Fotografen nach oben   PARA CIMA   top of page